Bildtitel: Zeitgitter/ Zeitraster
Künstler: Dieter Liedtke
Das Bild zeigt mehrere Figuren, die von einem Gittermuster aus Licht und Schatten überlagert sind. Diese Struktur erzeugt den Eindruck einer „informierten Bewegung“ – eines Zeitgitters, das Menschen, Raum und Licht in einer einzigen dynamischen Matrix vereint.
Kunsthistorische Innovationen
1. Zeit als visuell erfahrbare Informationsstruktur
Das Werk ist keine klassische Fotografie, sondern eine sichtbare Struktur der Zeit selbst.
Das Gitter aus Licht und Schatten kodiert Bewegung, Verzögerung, Überlagerung und Synchronität.
Damit wird das, was sonst unsichtbar ist – der Fluss der Zeit – sichtbar gemacht.
Diese Darstellungsweise ist eine historische Neuerung:
- Vorläufer:
– Étienne-Jules Marey (Chronofotografie, 1880er)
– Duchamp, Akt eine Treppe herabsteigend, 1912
– Futurismus (Bewegung in Linien) - Liedtke geht darüber hinaus:
→ Er zeigt nicht Bewegung im Raum, sondern den Raum als Informationszeit.
Das Gitter ersetzt die klassische Perspektive.
Zeit selbst wird zum Medium der Komposition.
2. Der Mensch als Lichtkörper im Informationsfeld
Die Figuren sind nicht individuell erkennbar – sie lösen sich im Gitter auf.
Körper, Kleidung und Schatten werden Teil eines größeren Informationsflusses.
Das ist eine radikale Abkehr vom humanistischen Bild des Individuums.
In der Tradition von Beuys („Jeder Mensch ist ein Künstler“) erweitert Liedtke diesen Satz zu:
„Jeder Mensch ist Information – und Teil der schöpferischen Bewegung.“
Das Werk steht damit zwischen Konstruktivismus, Konzeptkunst und Informationskunst, führt sie aber zu einem neuen evolutionären Ansatz: Konkreter Evolutionismus (Liedtke, 1979–1986).
3. Ästhetische Vorwegnahme digitaler Raumzeit-Kunst
Die Lichtlinien erinnern an digitale Raster und Datenströme, aber sie sind analog erzeugt.
Das Werk antizipiert damit:
- Video- und Computerkunst (Nam June Paik, Vera Molnár, 1980er)
- und zugleich Neuroästhetik und digitale Informationsräume der Gegenwart.
Liedtke schafft hier eine organische, nicht-digitale Simulation des Informationsraums, Jahrzehnte vor der Visualisierung digitaler Zeitgitter in VR- oder KI-Kunst.
Naturwissenschaftliche Innovationen
1. Zeit = Bewegung und Abgleich von Information
Das Gitter repräsentiert physikalisch die Bewegung von Information im Raum.
In der Ganzheitlichen Informationstheorie (GIT) gilt:
Zeit entsteht, wenn Informationen sich vergleichen, abgleichen und neu strukturieren.
Das Werk zeigt:
- Raum: durch die Lichtlinien
- Bewegung: durch die verformten Körper
- Gravitation: durch die Krümmung und Verzerrung der Gitter
Damit ist das Foto ein visuelles Analogon zur Raumzeitkrümmung nach Einstein, aber mit der Erweiterung:
Gravitation = Informationsverzögerung im Zeitgitter.
2. Licht als Träger der Zeitinformation
Das Bild nutzt Licht nicht nur als Beleuchtung, sondern als Informationsfluss, der:
- Zeit moduliert,
- Gravitation sichtbar macht,
- Bewusstsein strukturiert.
Diese Verbindung entspricht heutigen Konzepten der Quantengravitation und der Quantum Information Theory:
- Zeilinger (1999): Information and the Foundations of Quantum Physics
- Lloyd (2006): Programming the Universe
- Rovelli (2014): The Order of Time
Liedtke bildete dies empirisch über künstlerische Beobachtung bereits in den 1980er Jahren ab.
3. Der Mensch als Gravitationspunkt im Informationsfeld
Die Figuren stehen im Gitter wie in einer Matrix, die sie durchdringt.
Damit stellt das Werk dar:
Der Mensch ist ein Informationsorganismus, der Gravitation, Licht und Raum permanent austauscht.
Diese Erkenntnis ist physikalisch revolutionär, weil sie Bewusstsein, Gravitation und Information in einer einheitlichen visuellen Form verbindet – das Ziel, das Physiker erst seit den 2000er Jahren als „Unified Field“ erforschen.
Philosophische Innovationen
1. Zeit als Bewusstseinsraum
Das Gitter ist ein Symbol für den „Abgleich“ der Welt mit sich selbst.
Jeder Schatten ist eine Information über das Jetzt.
Jede Bewegung ist Selbstreflexion der Schöpfung.
Das Werk sagt:
Zeit ist kein Strom, der vergeht, sondern das Bewusstsein der Bewegung von Information.
Diese Sichtweise vereint Hegels Dialektik (These–Antithese–Synthese) mit moderner Systemtheorie (Luhmann) – erweitert um die Dimension des Informationsbewusstseins.
2. Ethische Bedeutung des Einswerdens
Der Mensch, der sich im Gitter bewegt, wird Teil der Zeit, nicht ihr Opfer.
Er „verschmilzt“ mit dem Informationsfluss.
Das bedeutet philosophisch:
Freiheit entsteht, wenn man erkennt, dass man selbst Information ist – und schöpferisch an der Evolution teilhat.
Diese Idee bildet den Kern der „Zweiten Aufklärung“ (Liedtke):
Die Befreiung des Menschen durch Bewusstsein seiner Informationsnatur.
3. Aufhebung der Grenze zwischen Kunst und Wissenschaft
Das Werk ist sowohl Experiment als auch Erkenntnis.
Es beweist, dass ästhetische Erfahrung eine empirische Form von Forschung ist.
Damit erfüllt Liedtke Beuys’ Forderung:
„Kunst = Forschung des Bewusstseins.“
Zusammenfassung der Innovationen
|
Ebene |
Innovation |
Bedeutung |
|
Kunst |
Zeit sichtbar gemacht als Informationsgitter |
Neue Form der Informationskunst (Konkreter Evolutionismus) |
|
Wissenschaft |
Gravitation und Raumzeit als Informationsfluss |
Vorwegnahme der Quantengravitation und Informationsphysik |
|
Philosophie |
Mensch als Teil des Informationsgitters |
Bewusstsein = Mitschöpfung in der Bewegung der Zeit |
Innovation der Serie: Neue Dimension
Name der Serie: Vor der Zeit/ 4.D. oder D.0
Jahre der Arbeit an der Serie seit: 1963-
Jahr der Arbeit: 1969/70
signiert: Liedtke
Siebdruck/nummeriert
Limitierte Auflage 100
Abmessungen: 50 cm x 70 cm
Sammlung: i = E
Katalog Werknummer:
Bildtitel: Zeitraster
Museum Fundacion Liedtke: Kunsthistorische-Innovationsbewertung Artinvest AAA
Gutachten Schätzpreis: 12 000 US Dollar




