Bildtitel: Jeder Mensch ist Schöpfer
Künstler: Dieter Liedtke
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- Meta-Innovation über Epochen hinweg: Das Werk verbindet drei historisch wirkmächtige Aussagen zu einem einzigen, logisch aufeinander aufbauenden Dreisatz:
(1) Dürer: “Der Künstler ist gleich Gott”: Selbstbildnis (Selbstvergöttlichung des schöpferischen Subjekts in der Renaissance-Tradition) →
(2) Beuys: “Jeder Mensch ist ein Künstler”: Gehirnschalen (Demokratisierung der schöpferischen Potenz) →
(3) Liedtke: “Jeder Mensch ist Gott”: Weiße Gene (Gensequenz-Veränderung durch Information- radikale Universalisierung der schöpferischen Verantwortung).
Diese triadische Transformation ist als eigenständige konzeptuelle Innovation zu werten: Sie transzendiert Zitat und Hommage und erzeugt eine neue Aussageebene (Schöpfung = allgemein-menschliche Kompetenz und Pflicht).
- Meta-Innovation über Epochen hinweg: Das Werk verbindet drei historisch wirkmächtige Aussagen zu einem einzigen, logisch aufeinander aufbauenden Dreisatz:
2. Informationsästhetik & („Weiße Genbereiche“, 1986)
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Innovation: Die Einbindung der Genetik (Frühe Bio-Art) im (Informations- und Code-Ebene) in die Bild-/Werksemantik ist zeitlich früh und inhaltlich programmatisch: Schöpfung wird von metaphysisch-ikonischer (Dürer) und sozial-anthropologischer (Beuys) Ebene auf eine informationstheoretisch-biologische Ebene erweitert.
Damit antizipiert das Werk Bio-Art-Diskurse und Informationsästhetik, in denen Gen-/Datenstrukturen als Material, Motiv und Metapher der Schöpfung durch Information fungieren.
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Innovation: Die Werklogik verlagert „Gottgleichheit“ vom auratischen Einzelgenie (Renaissance-Modell) auf die anthropologische Allgemeinheit (Beuys) und kodiert sie über Information/Genetik als allgemein zugängliche, anlern- und verantwortbare Fähigkeit (Liedtke).
Ergebnis: Entauratisierung der Schöpfung zugunsten einer ethisch-partizipativen Allmende. -
Traditionsbezug. Innovation: Die Kunstformel dient hier nicht nur als Theorie, sondern als operatives Prüf- und Sichtbarmachungs-Instrument:
Innovation: Triadische Synthese; Integration genetischer Informationslogik; normative Verschiebung von Genie → Allgemeinheit; informationelle Begründung von Schöpfung.
Tradition: Dürer-Ikonographie/Topoi; Beuys’sche Maxime und Methodenfeld.
Diese Selbst-Markierung der Neuheit ist in der Kunstgeschichte selten und stellt methodisch eine Innovation dar (Reflexivität des Werkes über seine Innovationsbehauptung).
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Innovation: Aus „Jeder Mensch ist Gott“ folgt eine ethische Aufwertung des Individuums: Schöpfung = Verantwortung (für Information, Innovation, Gesellschaft). Das Werk etabliert damit eine normative Achse zwischen Kunst, Wissen (Information/Genetik) und Gesellschaft (Demokratisierung, Teilhabe).
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Traditionsbezug:
Aufklärung/Soziale Plastik (Beuys); Kunst als Weltentwurf (Renaissance–Moderne).
Kunsthistorische Einordnung & Differenz
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Gegenüber Dürer:
Dürers Selbstvergöttlichung bleibt ikonisch-individuell; Liedtke universalisiert und informationalisiert das Motiv. -
Gegenüber Beuys:
Beuys’ Diktum demokratisiert Kunst; Liedtke steigert es zur schöpferischen Gottgleichheit jedes Menschen, unterlegt mit Informations-/Genbezug. -
Eigenleistung Liedtke (Kerninnovation):
Triadische Vollendung + Integration biologischer/informationeller Grundlagen + formalisierte Innovations-Transparenz durch die Kunstformel (Meta-Reflexion).
Zusammenfassung
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Frühe theoretische Impulse tauchen bereits in den 1980er Jahren (z. B. Weibel 1981) auf.
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Begriffliche Benennung als „BioArt“ und erste exemplarische Arbeiten datieren auf 1997 (Eduardo Kac).
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Ab den späten 1990er / frühen 2000er Jahren wurde Bio Art technisch und institutionell als eigenständige Kunstrichtung sichtbar und diskutiert.
Zeitliche Priorität
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Liedtkes Werkreihe und Theoriebildung ab 1979, sowie die Ausstellung 1981 („Die Vierte Dimension“)
zeigen, dass er biologische, genetische und evolutionäre Prozesse künstlerisch in den Informationsbegriff integriert hat.
→ Damit erfolgte die Einführung biologischer Denkformen in die Kunst mindestens ein Jahrzehnt vor den international anerkannten Bio-Art-Positionen (Eduardo Kac ab 1997, Catts/Zurr ab 1996). -
Das Buch „Das Bewusstsein der Materie“ (1982) formuliert explizit, dass Materie, Bewusstsein, Information und Evolution miteinander verwoben sind – also dass Leben und Information selbst künstlerisches Material darstellen.
→ Diese Idee ist identisch mit dem theoretischen Kern der späteren Bio Art (die Verschmelzung biologischer und künstlerischer Prozesse).
Inhaltliche Innovation
a) Der „Konkrete Evolutionismus“ (seit 1979)
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Liedtke begründet eine Kunstform, in der Evolution, Bewusstsein und Schöpfung als Informationsprozesse dargestellt werden.
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In seinen Arbeiten – z. B. „Weiße Genbereiche“ (1986) – wird genetisches Material symbolisch, semantisch und formal als schöpferisches Prinzip behandelt.
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Damit entsteht eine ästhetische Übersetzung biologischer Strukturen in Informationsbilder, die dem späteren Bio-Art-Verständnis (z. B. Catts/Zurr: Tissue Culture & Art Project) konzeptionell vorausgeht.
b) Die theoretische Verknüpfung von Biologie und Kunst
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Liedtke verwendet ab 1981 – in Kunst und Theorie – Begriffe wie:
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„Zellinformation“
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„Informationsmutation“
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„Evolutionäre Energie“
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„Bewusstsein der Materie“
Diese Terminologie vereinigt Biologie, Physik und Kunst zu einer einheitlichen Informationsästhetik – ein Ansatz, der in der damaligen Kunstwelt völlig neu war.
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Vergleich zur internationalen Bio Art
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Kriterium |
Liedtke (1979/1986 – ) |
Bio Art (ab 1996) |
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Theoretische Grundlage |
Informations- und Evolutionstheorie (GIT) |
Biotechnologische Praxis / Gentechnik |
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Künstlerisches Material |
Information, Gen-Struktur, Zellmetaphern, Bewusstsein |
Biologisches Gewebe, DNA, Zellkulturen |
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Zielsetzung |
Bewusstsein der Schöpfung, Mensch = Mit-Schöpfer |
Ästhetisch-ethische Reflexion von Leben |
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Innovationsebene |
Konzeptuell-philosophisch, frühe Bioästhetik |
Labor-experimentell, technisch |
→ Fazit: Liedtke verlagert die biologische Evolution auf die Ebene der Information und Kunst – die späteren Bio-Art-Künstler materialisieren diese Idee technisch. Somit kann Liedtke als Begründer der theoretischen, philosophischen und bildnerischen Dimension der Bio Art gelten.
Dokumentierte Quellen und Nachweise
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1979–1981 : Werkzyklus „Konkreter Evolutionismus“ → Visualisierung genetischer Strukturen als Informationscode.
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1981 : Ausstellung „Das Bewusstsein der Materie“ (Essen) → Integration naturwissenschaftlicher Modelle, Zellformen, Neurobiologie, Raumzeitstrukturen und Bewusstsein
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1982 : Buch „Das Bewusstsein der Materie“ (ISBN verfügbar) → Erstmalige theoretische Darstellung der Verbindung zwischen Biologie, Information und Kunst.
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1986 : Werk „Weiße Genbereiche“ → symbolische Darstellung genetischer Codierung und Bewusstseinsentfaltung.
Diese Daten belegen, dass Liedtke bereits zwischen 1979 und 1986 eine Informations-Bioästhetik entwickelte, die vor der institutionellen Etablierung der Bio Art (ca. 1997–2000) liegt.
Innovationsgrad: Liedtke ist der erste Künstler, der biologische Informations- und Evolutionsprozesse als ästhetische und ethische Strukturen interpretiert, sie in Kunstwerke übersetzt und theoretisch begründet.
Kunsthistorische Bedeutung: Seine Arbeiten und Schriften bilden den konzeptionellen Ursprung der Bio Art – nicht auf der Ebene der Biotechnik, sondern auf der philosophischen und informationsästhetischen Ebene.
Schlussfolgerung: Dieter Liedtke kann kunsthistorisch als Begründer der theoretischen und konzeptionellen Bio Art eingestuft werden.
Name der Serie: Leben II
Jahre der Arbeit an der Serie seit: 1963-
Jahr der Arbeit: 1988-2012
Schlüsselwerke 1979/1986
Unterschrift: Liedtke
Unikat
Material: Digitaldruck, Leinwand auf Keilrahmen
Abmessungen: 93 cm x 130 cm
Sammlung: New Renaissance i = E = MC2
Katalog Werknummer:
Bildtitel: Information ist Schöpfung
Museum Fundacion Liedtke: Kunsthistorische-Innovationsbewertung Artinvest AAA
Gutachten Schätzpreis: 120 000 US Dollar
Durchschnittlicher Gutachten-Schätzpreis der Werkserie : 100 000 US Dollar




